Gerhard Lang liest bei SPD-Senioren / Weinprobe einmal anders.

Veröffentlicht am 18.12.2011 in Arbeitsgemeinschaften

„Es ist alles wahr“, versicherte Gerhard Lang, 80 Jahre alter ehemaliger Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung in Stuttgart. Bei der SPD-Arbeitsgemeinschaft AG60plus liest er aus seinen Erinnerungen aus dem Gefängnis. Die SPD-Senioren setzt noch eine Weinprobe drauf.

Sie ließen es diesmal gemütlich angehen. Nachdem die SPD-Senioren das Jahr über mit Hans Lambacher als Sprecher viele aktuelle Themen engagiert diskutiert hatten, ließen sie sich zum Jahresausklang selbst unterhalten. Dazu war ein alter Bekannter Lambachers und der frühere Kollege von Erwin Reichert,
Gerhard Lang aus Stuttgart, gekommen. Er las aus seinem Buch „Kein Engel in der Höllgasse“.

Gerhard Lang wuchs im Gefängnis auf. 1931 Rottenburg geboren, lebt er von 1947 bis 1970 beim Gefängnis in Rottweil als Sohn des Obergefängnisverwalters und dessen Frau, der Gefängnisköchin. Man lebte, so schilderte Lang, mit schweren Jungs und leichten Mädchen quasi Tür an Tür. Im Gefängnis mit Familienanschluss nahm man sich auch hinter Gittern die Familientragödien des Oberverwalters zu Herzen, feierte Weihnachten zusammen oder erlebte genüsslich den Ausbruch eines phantasievollen Zechprellers. Die Anekdoten von anno Tobak, liebevoll niedergeschrieben, offenbaren heute schier unvorstellbare Verhältnisse im Strafvollzug der 50er- und 60er-Jahre, als es eben noch menscheln durfte. Der junge Gerhard Lang machte trotzdem seinen Weg, wurde unter lebhafter Anteilnahme der Mitbewohner in den Zellen Jurist und lernte als Richter am Landgericht schon in frühen Jahren bei Dienstreisen „Freudenstadt als
d i e Touristenzentrale im Schwarzwald“ kennen. Jetzt las der Sozialdemokrat für seine Genossen aus seinem liebenswerten Buch vor, hintergründige, humorvolle, schlitzohrige Geschichten aus einer Zeit, die manch einem Senior nur zu bekannt war.

Junger Wein aus dem Jahr 2010 war ein blumiges Kontrastprogramm. Erwin Reichert, ehemals Oberbürgermeister in Freudenstadt und jetzt Hobbywinzer und Aufsichtsratsvorsitzender der Baden-Badener Winzergenossenschaft, hatte Gebietsvertreter Arno Blum und ein paar feine Flaschen für eine Weinprobe mitgebracht. Blum führte geschickt durch
Anbaugebiet und Angebot der Winzer aus dem badischen Rebland ein. Die Winzergenossenschaft umfasst 160 Hektar Rebfläche mit einer Lagerkapazität von 4,5 Millionen Liter Sekt und Wein. Kostproben davon ließen die Teilnehmer mit der Zunge schnalzen. Begriffe wie „fein, frisch und elegant“ „rund und körperreich“, „klug angelegt und ausgebaut“ oder „starker Abgang“ waren diesmal absolut nicht politisch gemeint, sondern bezogen sich nur auf den süffigen Rebensaft aus der Ortenau.

Bildunterschrift:

Schwäbische Literatur und badischen Wein hatte diesmal Hans Lambacher (links) im Angebot bei den SPD-Senioren. Dafür zeichneten Altbürgermeister Gerhard Lang (Mitte) und Altoberbürgermeister Erwin Reichert verantwortlich.

(Foto und Text mit freundlicher Genehmigung von Hannes Kuhnert)

 

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