Leni Breymaier rüttelt Genossen wach

Veröffentlicht am 15.10.2016 in Veranstaltungen

Diskutierten über die Zukunft. Von links Volker Schmitz, Saskia Esken, Gerhard Gaiser, Leni Breymaier, Rainer Ulrich

Designierte SPD-Landesvorsitzende spricht beim Kreisverband der Sozialdemokraten Klartext.

Neun Tage vor ihrer als sicher geltenden Wahl zur neuen Landesvorsitzenden stellte sich Leni Breymaier bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung dem SPD-Kreisverband vor. In einer erfrischenden halben Stunde rüttelte sie – wie auch schon anderswo geschehen – die nach der Wahlschlappe im März in Lethargie  erstarrten Genossen wach. Dann nahm sie sich viel Zeit für eine Diskussion, in der es auch um sozialdemokratische Grundwerte ging.

Die grün-schwarze Koalition, so stimmte Kreisvorsitzender Gerhard Gaiser die gut besuchte Versammlung im Freudenstädter Stadthaus ein, bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, verwalte das Land, anstatt es zu gestalten. Geheimverträge und Nebenabsprachen seien bar jeglicher Transparenz und Wasser auf den Mühlen der Rechtspopulisten. Die Glorie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verblasse.

Leni Breymaier hielt sich nicht lange mit einer Rückschau auf das Wahldesaster im März auf, obwohl sie als langjährige stellvertretende Landesvorsitzende  auch Verantwortung für die „Prügel“ übernehme. Die Gewerkschafterin  stellt sich beim Parteitag am 22. Oktober als einzige Kandidatin der Wahl zur neuen SPD-Landesvorsitzenden: „Mit Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit. Da habe ich richtig Lust, daran mitzuarbeiten“. Selbst aufgewachsen mit dem Friedensversprechen Europas, wolle sie dazu beitragen, dass diesem Versprechen ein soziales Versprechen hinzugefügt wird. Die SPD sei die Partei der Menschen, die von ihrem Kopf und ihrer Hände Arbeit leben  und nicht von ihren Vermögenswerten;  sie sei die Partei der solidarischen Antworten. Es gelte nun, mit einem neuen Landesvorstand, mit inhaltlicher und struktureller Erneuerung „den Schatz in der SPD zu heben“, durchgängige Politik von Europa bis in die Kommunen „aus einem Guss“ zu machen, glaubwürdig zu sein und Visionen zu entwickeln. Breymaier: „Die SPD will, dass es insgesamt gerechter und ordentlicher zugeht in diesem Land“.

Unter sozialer Gerechtigkeit verstand sie zum Beispiel eine Bürgerversicherung, bezahlbaren  Wohnraum, paritätisch finanzierte gesetzliche Krankenkassen, eine gesicherte Altersversorgung, die machbar und finanzierbar sei oder die Digitalisierung: „Wir müssen der nachfolgenden Generation eine friedliche, gerechte und soziale Welt hinterlassen. Dafür will ich kämpfen“, so Breymaier unter starkem Beifall.

In der Diskussion vertiefte sie einige der Themen, ging vor allem auf Fragen über die soziale Grundhaltung der SPD ein. Diese erachtete auch Bundestagsabgeordnete Saskia Esken als einen Eckpfeiler sozialdemokratischer Politik.

Leni Breymaier  überzeugte bei ihrem couragierten Auftritt in Referat und Diskussion mit starken Worten, schlagfertig, humorvoll, erfrischend und auf den Punkt treffend. Und kam damit bei den Genossen gut an. Saskia Esken freute sich auf die Zusammenarbeit mit ihr, Kreisvorsitzender Gerhard Gaiser fühlte sich nach eigenen Worten plötzlich in der SPD viel wohler und sicherte Breymaier die Unterstützung der Kreis-SPD zu.  Kreisvorstandsmitglied Holger Egger aus Freudenstadt meinte: „Der SPD in Baden-Württemberg kann nichts besseres passieren als eine Landesvorsitzende Leni Breymaier“.

Zitate:

„Ich komme ja auch nicht gerade aus dem Frischefach des Kühlschranks“. (Die 56-ährige Leni Breymaier zum Alterschnitt  in der SPD).

„Schaut bitte immer noch so nett, auch wenn ich mal Blödsinn mache“. Leni Breymaier zur „positiven Grundstimmung“ im Saal.

 

(Fotos & Text mit freundlicher Genehmigung von Hannes Kuhnert)

 

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