Sprachrohr für die Jugend

Veröffentlicht am 08.11.2011 in Gemeinderatsfraktion

Unter dem Titel "Sprachrohr für die Jugend / In Nagold können Jugendliche in einem Jugendgemeinderat politisch aktiv werden"
schreibt Claudia Salden am 5.11.11 in der Neckarchronik

Die SPD-Fraktion im Horber Gemeinderat möchte Jugendliche stärker einbeziehen. Dafür könnte Nagold Vorbild sein: Dort gibt es seit elf Jahren einen Jugendgemeinderat. Die SÜDWEST PRESSE hat mit dem Vorsitzenden Luca Zinser gesprochen.

Nagold. Etwas Stolz schwingt mit, wenn Luca Zinser über den neuen Street-Sportplatz am Rande des Geländes der Landesgartenschau in Nagold spricht. Auf der Fläche des ehemaligen Skaterparks laden künftig ein Beachvolleyballfeld, ein Basketballkorb und eine Tischtennisplatte zum sportlichen Zeitvertreib ein. „Das soll ein neuer Treffpunkt für Jugendliche werden“, sagt Zinser, der Vorsitzende des Jugendgemeinderats (JGR). Das gewählte Gremium der Nagolder Jugend hat den Standort gemeinsam mit der Stadtspitze ausgewählt und sich an den Kosten beteiligt: 2000 Euro, die der JGR bei einer Party einnahm, hat er an die Stadt Nagold gespendet. „Wir fordern nicht nur, wir bringen auch etwas ein“, sagt Luca Zinser.

Das gilt vor allem für die Anregungen, die der im Jahr 2000 gegründete Jugendgemeinderat der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik geben kann. Denn seine Aufgabe ist es, den Gemeinderat bei Themen zu beraten, die die Jugend in Nagold betreffen. „Wir verstehen uns als Interessensvertretung und als Sprachrohr der Nagolder Jugend“, sagt der 18-jährige Zinser. Seine Erfahrung als JGR-Mitglied im dritten Jahr: „Das Meinungsbild aus einem organisierten Gremium wird von der Stadt gern angenommen.“

Praktisch sieht das so aus: Ein Vertreter des Jugendgemeinderats ist in jede Gemeinderats- und Ausschusssitzung eingeladen – auch in den nichtöffentlichen Teil. Als beratendes Organ hat der JGR Sprachrecht und kann Anträge stellen. Stimmrecht hat der Nagolder Nachwuchs allerdings nicht. Für Luca Zinser ist das in Ordnung: „Wir werden gehört, und die Stadträte stimmen dann auch in unserem Namen ab.“ Hinzu kommen Vierteljahresgespräche mit dem Oberbürgermeister, in dem sich das Stadtoberhaupt und die Jugendvertreter über aktuelle Themen in der Stadt austauschen. Außerdem engagiert sich der Nagolder Jugendgemeinderat in mehreren Arbeitskreisen der Stadt.

Wie der Gemeinderat tagen die Jugendlichen im Sitzungssaal des Rathauses. „Im vergangenen Jahr hatten wir sogar mehr Sitzungen als die Stadträte“, erzählt Luca Zinser. Zu den im Normalfall alle zwei Wochen stattfindenden Sitzungen mit öffentlichem und nichtöffentlichen Teil gibt es eine Tagesordnung, die von den Anregungen der Nagolder Jugend mitbestimmt wird. „Wir sind Ansprechpartner bei Problemen“, sagt Zinser. Bei vierteljährlichen „Chill-out-Abenden“ im Nagolder Jugendzentrum, die in Zukunft auch politische Themen haben sollen, können Jugendliche mit dem JGR ins Gespräch kommen. Außerdem ist der Jugendgemeinderat über die Schülermitverwaltung und künftig auch telefonisch, per E-Mail und über soziale Netzwerke erreichbar. „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt. Das soll sich ändern“, sagt Luca Zinser.

Freizeit und Schule sind die beiden großen Themenfelder des Jugendgemeinderats in Nagold. „Meistens geht es um fehlende Aufenthaltsmöglichkeiten, Sportplätze und Abendaktivitäten“, sagt Luca Zinser. Auch bei Klagen über einen zu kleinen Schulhof, einen fehlenden Aufenthaltsraum in der Schule oder Probleme mit Lehrern versucht der Jugendgemeinderat, einen Vorschlag zur Lösung auszuarbeiten. „Wir beschäftigen uns aber nicht nur mit Jugendthemen“, stellt Zinser klar. Schließlich hätten Entscheidungen in anderen Bereichen ebenfalls Auswirkungen auf Jugendliche. „Wir waren vor allem in den letzten zwei Jahren sehr aktiv“, blickt Luca Zinser zurück. Außer dem Street-Sportplatz konnte eine Grillstelle eingerichtet werden. „Und wir haben durchgesetzt, dass es Sucht- und Präventionstage jetzt an allen Nagolder Schulen gibt“, berichtet Zinser.

Nur wenige JGR-Mitglieder sind in einer Partei engagiert. „Man merkt in den Diskussionen trotzdem, wer welche politische Grundeinstellung vertritt“, hat Zinser beobachtet. Das findet er gut: „Von diesen unterschiedlichen Meinungen lebt Politik.“ Als JGR-Vorsitzendem sind ihm konstruktive Diskussionen wichtig: „Wir dürfen nicht nur unserem Ärger Luft machen, sondern müssen durch sachliche Argumente überzeugen.“ Nicht immer nur rebellisch zu sein, sondern auch mal die Klappe zu halten – das fiele manchen schwer. „Aber so funktioniert Politik: Man muss sehen, was man davon hat“, sagt Luca Zinser. Und da sei es nun mal zielführender, einen Zustand nicht „scheiße“ zu nennen, sondern „suboptimal“.

Für seine Arbeit hat der Jugendgemeinderat ein Jahresbudget von 1000 Euro und einen festen Ansprechpartner im Amt für Bildung, Kultur und Sport. „Das ist wichtig, denn wir haben zum Beispiel keine Ahnung von Bebauungsplänen“, sagt Luca Zinser. Außerdem gewährt die Nagolder Stadtverwaltung den Jugendlichen ein Sitzungsgeld von 20 Euro – insgesamt rund 4000 Euro im Jahr 2010. „Wir machen das nicht wegen des Geldes. Aber es ist eine Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Zinser. Die alle zwei Jahre stattfindende JGR-Wahl schlägt mit 2500 Euro zu Buche, heißt es im Nagolder Rathaus.

„Die Kooperation mit der Stadt ist spitze“, lobt der JGR-Vorsitzende. Auch von der Kommunalpolitik werde der Jugendgemeinderat ernst genommen und unterstützt. „Wir haben Kontakt zu allen Parteien. Allen Fraktionen im Gemeinderat liegt die Meinung der Jugend am Herzen“, sagt Luca Zinser. „Alles andere wäre ja auch blöd von ihnen.“

Info Siehe auch das AUSSERDEM

So wird der Jugendgemeinderat in Nagold gewählt

Alle zwei Jahre finden Wahlen zum Jugendgemeinderat statt. Wahlberechtigt sind alle Jugendlichen ab Klasse 7, die eine weiterführende Schule in Nagold besuchen, auch wenn sie nicht in Nagold wohnen. Jugendliche bis 21 Jahre, die nicht mehr zur Schule gehen, aber in Nagold wohnen, sind ebenfalls wahlberechtigt. Abgestimmt wird in der Schule oder im Rathaus. Jeder hat drei Stimmen.
Der Nagolder Jugendgemeinderat hat 20 Sitze. Darin ist jede weiterführende Schule entsprechend der Zahl ihrer Schüler vertreten: Pro angefangene 300 Schüler gibt es einen Sitz im Jugendgemeinderat. Außerdem gilt: Die gewerbliche, die kaufmännische und die hauswirtschaftliche Schule des Berufsschulzen trums haben jeweils einen Sitz, und die Förderschule Burgschule hat zwei Sitze. Die Nichtschüler haben ebenfalls zwei Sitze – allerdings gab es unter ihnen bei der letzten Wahl nur einen Kandidaten. Deshalb hat der aktuelle Jugendgemeinderat nur 19 Mitglieder. Sie sind zwischen 14 und 18 Jahren alt.

Bei der Wahl im Juni gab es 28 Kandidaten und 4769 Wahlberechtigte. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,9 Prozent.

05.11.2011 - 08:30 Uhr

 

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